Project Description

Bosnien

“Während der Roman oft Nabelschau betreibt und sich in Innenansichten verliert, muss ein Comic in Bildern erzählen. Die Comickunst bietet sich fürs Dokumentarische an: Sie ist nach außen orientiert, verbindet aber Non-Fiction mit Subjektivität. Kurz: Der Comic kann mehr – auch punkto Ehrlichkeit.”

Neue Zürcher Zeitung, 16. Dezember 2010

Neben Art Spiegelmann zählt Joe Sacco zu den bedeutendsten Autoren im Genre der graphischen Novelle. Mit „Palästina“ (1996) gilt er gar als der Begründer des „Comic Journalismus“. In Bosnien (Safe Area Goražde, 2000) schildert er seine Erlebnisse aus der von der Außenwelt abgeschnittenen Enklave Gorazde, die 1993 zur UN-Schutzzone erklärt wurde. Er erzählt in liebevoll gezeichneten Bildern die Geschichte einer Gemeinde, die durch aufkommenden Faschismus und Rassismus und den ausbrechenden Krieg zerrissen ist. Nie wird die Schilderung einseitig oder politisch aufgeladen. Stets stehen die Erlebnisse der Einwohner oder die Eindrücke des Autors an erster Stelle. Auch wenn die aufkommende Verzweiflung, die Schrecken des Krieges und der allgegenwärtige Hass schonungslos abgebildet werden, liegt das Hauptaugenmerk auf dem alltäglichen Leben von Menschen in einer belagerten Stadt. Menschen die wünschen und hoffen, verdammen und verfluchen und sich beizeiten an das friedliche Miteinander einer weit entfernt zu scheinenden Vergangenheit erinnern. „Bosnien“ erzählt die Geschichte eines Krieges und berührt dabei oft mehr als filmische Dokumentationen derselben Geschehnisse. Manchmal ist das gezeichnete Bild schwerer zu ertragen als das bewegte.

Eine Rezension von Max Kasch