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Sibiro Haiku2021-09-02T19:24:42+00:00

Project Description

Sibiro Haiku

Mein Name ist Max Kasch. Ich bin geboren am 20.5.1993 und studiere seit 2012, nach Abschluss des Abiturs, an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Seit Mai 2013 engagiere ich mich ehrenamtlich für die Diakonie Düsseldorf im Sachgebiet: Integration, Migration und Flucht, als Gruppenleiter in der Kinderbetreuung einer Unterkunft für geflüchtete Menschen und organisierte unter anderem das Benefizkonzert „Party for Change“. Gegenwärtig besteht meine Tätigkeit für die Diakonie Düsseldorf darin ein Musikprojekt für interessierte Jugendliche anzuleiten und Rezensionen zu Kinder- und Jugendmedien zu verfassen. Meinen Bachelorabschluss in Philosophie und Germanistik machte ich 2019, seitdem studiere ich Geschichte und Musikwissenschaft. Als begeisterter Musiker spiele ich in mehreren Gruppen und war in der Vergangenheit in verschiedenste Projekte eingebunden. Des Weiteren bin ich politisch interessiert und engagiert, beispielsweise durch Aktivität in der Hochschulpolitik seit 2017. Seit Anfang 2019 arbeite ich darüber hinaus im Besucherdienst des Landtags NRW.

„Sibiro Haiku“ ist eine Graphic Novel von der litauischen Autorin und Journalistin Jurga Vilé. Die Illustrationen stammen von der ebenfalls aus Litauen stammenden Künstlerin Lina Itagaki. In „Sibiro Haiku“ erzählt die Autorin die Geschichte ihres Vaters, Algiukas Vilé, der 1941, als 13-jähriger Junge, mit seiner Familie nach Sibirien deportiert wurde. Die Graphic Novel hat dabei nicht den Anspruch eines dokumentarischen Historienromans, sondern stellt vielmehr eine sehr persönliche Aufarbeitung der Geschehnisse dar. So weist die Autorin auch im Vorwort darauf hin, dass der Inhalt des Buches teils auf den Erzählungen ihres Vaters, teils aus historischer Recherche besteht und auch fiktive Elemente in die Erzählweise einflossen. Letztere wohl auch deshalb, weil die Geschichte durchweg von dem damals 13-jährigen Algis erzählt wird und die Erfahrungs- und Erlebniswelt des Jungen den Kern der Erzählung bilden.

Die ersten Seiten des Buches nehmen in einer Art vorgezogenem Epilog das Ende der Erzählung vorweg. Algis sitzt im „Waisenzug“, einem Zug der Kinder aus Sibirien zurück nach Litauen bringt. Er leidet an Keuchhusten und ist von den Geistern der Verstorbenen umgeben. Die Kinder singen im Chor um die Zeit und die Erinnerungen zu vertreiben und Algis erinnert sich an seine Heimat in Litauen, die er bald schon wiedersehen wird. Von hier aus springt die Geschichte in den Sommer 1941. Die Familie Vilé sitzt bei gemeinsamen Abendessen. Es gibt frischen Honig und nachts kann man Glühwürmchen sehen. Doch in derselben Nacht klopft es plötzlich und Soldaten stehen vor der Tür. Die Familie packt ihre Sachen und Algis Vater holt auf die Schnelle einen Eimer mit Äpfeln, die die letzte Erinnerung an Litauen werden sollen. Am Bahnhof angekommen steigen Algis, seine Schwester, seine Mutter und seine Tante in den schon bereitstehenden Zug. Sein Vater hingegen wird zur Zwangsarbeit eingeteilt, bei der er später sterben wird. Die Fahrt nach Sibirien ist lang. Läuse, Hunger und ständige Dunkelheit in den ehemaligen Viehwaggons sind nur ein Teil der Strapazen, die die Menschen erleiden müssen und langsam wird jedem bewusst, dass diese Reise bloß der Anfang ist. So beginnt auch Algis damit die Äpfel aus seiner Heimat zu trocknen und zu rationieren. Der einzige Lichtblick auf der Reise ist seine Lehrerin Violeta, die kurzerhand einen Kinderchor organisiert. In Sibirien angekommen beziehen die Menschen ihre Baracken, die allesamt von Wanzen befallen sind. Das Essen ist durchweg knapp und die Kälte im Winter nahezu unerträglich dazu kommen die Schikanen der zur Bewachung eingeteilten Soldaten. Doch finden sich in Sibirien auch einige hilfsbereite Menschen. Margarita zum Beispiel, die den Kindern stets zur Seite steht und ein alter Mann, der allein im Wald wohnt und den Kindern einen Bienenstock schenkt. Darüber hinaus gibt es spärlichen Kontakt mit japanischen Kriegsgefangenen. Und so lernen die Kinder schließlich Origami und hören nachts der Taiko Trommel zu.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Graphic Novel „Sibiro Haiku“ wohl vor allem für junge Erwachsene geeignet ist. Die Geschichte ist teils erschütternd, teils berührend und die Charaktere sind durchaus vielschichtig gezeichnet. Dadurch erhält die Geschichte, vor allem auch durch die zahlreichen auftretenden Personen, die meist auf jeweils einer Seite vorgestellt und charakterisiert werden, einen Komplexitätsgrad, dem diese Rezension kaum gerecht werden kann. Auch wenn das Schicksal von Algiukas Vilé im Vordergrund steht und die Erzählperspektive kennzeichnet, werden im Verlaufe der Geschichte zahlreiche Einzelschicksale thematisiert, von denen nur wenige ein glückliches Ende nehmen. Somit kann „Sibiro Haiku“ nicht nur Einblick in ein kaum behandeltes Kapitel europäischer Geschichte geben, sondern kann zudem wohl auch symbolisch für die Erfahrungen der Deportation stehen, denen tausende aus Litauen stammende Menschen ausgeliefert waren.

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